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Bye Bye Traumtagebuch

Da ist sie nun, die letzte Seite im Traumtagebuch.

Nachdem ich aber mein „reguläres“ Tagebuch verloren habe und nun irgendjemand enorm intime Einblicke in mein Leben bekommen hat, werde ich dieses Büchlein feierlich verbrennen.

Ich habe das Traumtagebuch geschrieben, weil ich irgendwann gemerkt habe, dass meine Träume mich manchmal zum lachen bringen, aber auch sehr oft traurig machen. Meine Grundidee war mal, das ganze irgendwie nieder zuschreiben – Aber es ist wie immer: Keine Zeit, keine Lust, Schamgefühl. Oder auch auch einfach die fehlende Übung mit Sätzen, Grammatik und Storyline arbeiten zu können.

WurmWie auch immer – eines möchte ich euch noch aus meinem Büchlein erzählen. Das hier war mal die Grundidee für ein Kinderbuch.

Lassen wir es mal so stehen, dass Biologie, Logik und menschlicher Verstand nicht existieren, denn dann funktioniert die Story auch 😉

Vor einigen Jahren hat das Volk der Regenwürmer festgestellt, dass deren Geburtenrate immer weiter sinkt. All die Professoren und schlauen Würmer hatten keinen Rat, gehen aber davon aus, dass die Umweltverschmutzung der Menschen damit zu tun hat. Also kam man auf die Idee einen Botschafter in die Menschenwelt zu schicken, um nach Hilfe zu fragen und zu warnen. Regenwürmer und Menschen haben eine enge Beziehung, aber in erster Linie im Gartenwesen. Aber all die Riesen haben soviele Probleme gemeistert, warum sollten sie nun den Regenwürmern die Hilfe verweigern?

Es wurde ein Freiwilliger gefunden und nachdem er sich mehrere Tage durch den Boden gekämpft und schlussendlich in Berlin rauskam, war er sprachlos – Soviel Platz, Luft, Farben… aber auch Müll, Gestank und Massen an Menschen. Er wandte sich und versuchte Kontakt aufzunehmen, aber niemand hat ihn bemerkt. Er kroch so schnell er konnte in eine ruhigere Ecke um sich zu sammeln. Eine Frau sah den Wurm, hob ihn auf und schmiss ihn wieder auf die Wiese – Sie murmelte noch so etwas wie „Gerettet“ und fühlte sich scheinbar wohl damit.

Der Wurm selber war frustriert. Mehrere Tage kroch er durch Berlin, bis er irgendwann im Regierungsviertel ankam. Ohne zu wissen, wo er war, schaute er sich um. Viele Menschen, groß, klein, hell, dunkel. Für den Wurm sahen sie trotzdem alle gleich aus. Während er sich und die Mission langsam aufgab, fühlte er, wie er abhob. Ein kleines Mädchen hat ihn aufgehoben und ihn wie auf einem Präsentierteller weiteren Menschen vorgestellt. Was darauf folgte nennt man wohl schreien und fluchen. Scheinbar mochten die Menschen den Wurm nicht. Das Mädchen aber drehte sich rum und sagte, dass der Wurm doch bitte keine Angst haben soll. Danke, sagte der Wurm.

Das Mädchen zuckte zusammen. „Du kannst sprechen?“ – „Du doch auch.“

Langes schweigen.

Dann erzählte der Wurm die Geschichte vom sterbendem Volk der Regenwürmer und dass die Menschen auch die Würmer bräuchten. Das Mädchen war clever genug um zu wissen, dass die Erwachsenen ihr das niemals glauben werden.

Also steckte sie den Wurm in die Tasche und zurück zu ihren Eltern. Zufall oder nicht, die Eltern gehörten zu einer Gruppe, die zu einer Plenardebatte im Bundestag eingeladen wurden. Aber weil die Babysitterin keine Zeit hatte, musste das Mädchen die Eltern begleiten.

Während also all die alten Männer debattierten, holte das Mädchen den Wurm raus und war ihn quer durch den Saal genau auf das Rednerpult. Noch bevor der Politiker ausholen konnte, sagte der Wurm Hallo. Laut genug, damit auch die Mikrofone seine Begrüssung auffangen konnten.

Es war ein Hallo, was den kompletten Saal zum schweigen brachte. Er wiederholte sich. Hallo.

Köpfe drehten sich, Augen wurden groß. Hat da gerade wirklich der Wurm geredet?

Ohne weiteres Zögern kroch der Wurm zum Mikrofon und begann direkt mit der Geschichte. Er erzählte von traurigen Wurmfrauen, die nicht schwanger werden, vom Niedergang der Wurmkultur und dem fehlenden Möglichkeiten, dieses Unglück aufzuhalten. Die Wurmwissenschaftler haben herausgefunden, dass der ganze Atommüll, der scheinbar gefahrlos für die Menschen in der Erde versenkt wurde, den Würmern schadet. Auch der voller chemischen Stoffe gefüllte Regen, der die Erde durchdringt bringt Gifte mit, die die Wurmfrauen unfruchtbar machen.

Wieder Stille.

Nur ein Politiker stand auf, klatschte. Er ging zum Podium, nahm den Wurm in die Hand und bedankte sich. Der Wurm war verwirrt.

Nun, sprach der Mann, du bist der lebende Beweis, dass der Mensch die Erde zerstört und es auch in unsere Worte übersetzt. All die Abholzungen im Urwald, all das Abgraben der Schätze der Welt, all das hat man in Bildern gesehen. Man sah tote Tiere, traurige Tiere, verängstigste Tiere. Aber wer versteht schon einen Schimpansen oder Elefanten. Du hingegen sprichst die Sprache der Menschen und bist doch ein Wurm. Ich will nicht nachfragen, warum all die anderen Tiere schwiegen, aber ich möchte dir helfen. Ich werde dir helfen. Gemeinsam machen wir alles wieder gut. Ich verspreche es dir.

Danke, sprach der Wurm.
Aber eine kleine Lüge heute kann morgen ganze Welten zerstören.

All das war nur der ungefähre Traum. Gerade der letzte Satz hat sich so in meinem Kopf eingebrannt.

Wenn ich etwas interessantes geträumt habe und mich auch noch gut daran erinnern konnte, habe ich dies in ein kleines geheimes Büchlein geschrieben. Jetzt, so beim durchblättern, ist es unheimlich interessant, auf die letzten 6 Jahre zurückzublicken. Mal lustig, mal beängstigend und auch oft ein riesiges WTF. Gerade die letzten Monate waren etwas verschreckend. In einem Zeitraum von ca. 4 Wochen habe ich dauernd von einer Person geträumt – Aber das hab ich ja schon im vorherigen Beitrag geschrieben.

Wie auch immer. Von all den Träumen die ich hatte, wollte ich, dass zumindest etwas übrig bleibt.

Während das hier vielleicht gelesen wird, ist mein Buch längst weg.

Machs gut und danke.

Über Senad

Kreatives Zellkollektiv. 1980 geboren. Digital native. Fan von Social Media, Fotografie, Comics, Retro Games und Lego. Aus dem Westerwald nach Berlin nach Friedrichsdorf.

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